Borkenkäferkatastrophe 2003: Vier Borkenkäfergenerationen in Süd- und Ostösterreich
Krehan H. English

  Käferbaum

Käferbaum

Buchdrucker

Buchdrucker mit frischem Brutbild

Bohrmehl

Bohrmehl in Spinnennetz am Stammfuß

Einbohrloch

frisches Einbohrloch

Die extreme und lang anhaltende Hitzeperiode im Sommer 2003 hat in Österreich zu einer besorgniserregenden Borkenkäfermassenvermehrung geführt. Das Ausmaß der frisch befallenen Bäume und der noch folgenden Schäden wird nach ersten Schätzungen vor allem in den Bundesländern Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark und besonders im Burgenland um ein Vielfaches ansteigen. Man rechnet mit ähnlich hohen Schadholzmengen wie im Jahr 1992.

Borkenkäferhomepage new

Ursachen für die Borkenkäferexplosion

  • Hohe Ausgangspopulation an Borkenkäfern in den sekundären Fichtenwäldern der Tieflagen. Meist sind derzeit kleine Käfernester Ausgangspunkt für riesige Käferherde.
  • Sturmschäden (Windwurf und Windbruch) als Folge des Föhnsturmes im November 2002 in Salzburg, Steiermark und Tirol.
  • Ideale Entwicklungsbedingungen für die Borkenkäferbruten führen dazu, dass heuer bis zu 4 statt normalerweise 2 (3) vollständige Borkenkäfergenerationen gebildet werden:
    • Der 1. Flughöhepunkt war Anfang Mai,
      der 2. Ende Juni/ Anfang Juli,
      der 3. in der zweiten Augustwoche und
      Mitte bis Ende September wird es nochmals zu einem Käferflug in den Tieflagen kommen.
  • Selbst optisch vitale und gut benadelte Fichten sind aufgrund der herrschenden Dürre nicht mehr in der Lage, Käfereinbohrversuche durch verstärkten Harzfluss abzuwehren.
  • Durch die hohen Temperaturen und mangelnden Niederschlag beschränken sich die Käferattacken nicht mehr auf südexponierte Randbäume, sondern verteilen sich nun im gesamten Waldbestand, da auch dort die Bäume geschwächt sind und unter Wassermangel leiden. Die sonnenexponierten Bäume werden teilweise sogar gemieden, weil dort die Rindentemperaturen schon zu hoch für die Borkenkäfer sind.
  • Bekämpfungsmaßnahmen

    Auf Grund der enormen Anzahl von neu attackierten Bäumen, muss als oberstes Prinzip der Bekämpfung die unverzügliche Entfernung dieser Bäume aus den Beständen oder die Entrindung angeführt werden. Diese Bäume zeigen über den gesamten Stammbereich frischen, braunen Bohrmehlaustritt, die Benadelung ist jedoch noch normal grün.
    Bäume, die jetzt vergilbte oder braune Nadeln zeigen, sind bereits durch den Käferbefall abgetötet worden. Der Großteil der Käfer hat diese Wirtsbäume bereits verlassen (zahlreiche Ausbohrlöcher). Wenn in diesen Bäumen noch hellbraune Jungkäfer vorhanden sind, so sind auch diese Bäume zu entfernen. Eine Entrindung würde die Jungkäfer nicht abtöten.
    Da neben dem Buchdrucker (Großer 8-zähnge Fichtenborkenkäfer Ips typographus) auch der Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) in Massen vorkommt, muss auch befallenes Astmaterial und Schlagabraum behandelt werden. Hier eignet sich die Verhäckselung durch mobile Maschinen am besten. Das Legen von Fratten an sonnenexponierten Stellen fördert ebenfalls die rasche Austrocknung des Holzes und verhindert die Ausreifung der Käferbrut.
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