Mehltaubefall an Rosskastanien
Cech, Th.

Mehltaupilze sind an Blättern zahlreicher Laubgehölze im Herbst so häufig zu beobachten, dass ihnen kaum Aufmerksamkeit geschenkt wird, zumal zur Zeit des einsetzenden natürlichen Laubfalls keine Schäden mehr durch diese Pilze zu erwarten sind. Werden Baumarten befallen, bei denen keine Mehltau-Art bekannt ist, kann das leicht übersehen werden.

Mehltaubelag

Ein Beispiel dafür ist das gegenwärtig starke Auftreten von Mehltaubelag an zahlreichen weiß- wie rotblühenden Roßkastanien im Wiener Prater (Abb.1).

Rosskastanien (Aesculus hippocastanum) werden in Europa sehr selten von echten Mehltaupilzen (Erysiphales) befallen. Außer einigen wenigen Berichten betreffend die wirtsvage Art Phyllactinia guttata (Blumer 1967, S. 318) findet sich in der Fachliteratur kein Hinweis auf irgendwelche an Aesculus vorkommenden Mehltauarten. Dank einem Hinweis eines Fachkollegen der Biologischen Bundesanstalt Braunschweig wurde dieses ungewöhnliche Auftreten untersucht, wobei eine für Europa vermutlich neue Art nachgewiesen werden konnte.

Wie bei vielen Mehltauarten werden reichlich ungeschlechtliche Sporen (Konidien, Oidium-Stadium) gebildet, die in Ketten an der Blattoberfläche entstehen (Abb.2,3), sowie gelbliche, später bräunliche geschlechtliche Fruchtkörper (Kleistothezien, Abb.4). Letztere weisen meist charakteristische Borsten und Anhängsel auf, welche die wichtigsten Bestimmungsmerkmale liefern.

Uncinuliella

Im gegebenen Fall handelt es sich nicht um eine Phyllactinia-Art. Die Kleistothezien weisen nicht die charakteristischen nach unten gerichteten Borsten auf, die den Fruchtkörper über die Blattoberfläche herausheben, sondern zwei verschiedene Typen von Anhängseln: einerseits gerade, zugespitzte und andererseits an der Spitze wellenförmig gewundene (Abb.5,6).

Dies ist für die Gattung Uncinuliella charakteristisch (Braun 1987). Von dieser gibt es eine in Nordamerika weit verbreitete Art an Rosskastanien, Uncinuliella flexuosa (Peck) U.Braun, mit der wir es aller Wahrscheinlichkeit nach zu tun haben.

An der definitiven Identifikation wird gegenwärtig noch gearbeitet. Es ist aber zu erwarten, daß wir es mit einem außereuropäischen Schadorganismus zu tun haben, dem Quarantänestatus zukommen wird, auch wenn von einer geringen Pathogenität ausgegangen werden kann.

Literatur:

Blumer S. 1967: Echte Mehltaupilze (Erysiphaceae). G.Fischer Verl.Jena, 1-436.
Braun U. 1987: A monograph of the Erysiphales (powdery mildews), Beihefte zur Nova Hedwigia 89, 1-700. J.Cramer, Berlin-Stuttgart,

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