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Abbildung 2

Abbildung 3

Abbildung 4
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Die Phytophthora-Wurzelhalsfäule der Erlen bedroht seit 1996 in Österreich und in mehreren europäischen Ländern Waldbestände, Aufforstungen und flussbegleitende Baumzeilen. Seit dem ersten massiven Auftreten in England widmen sich Phytopathologen und Ökologen der Erforschung dieser Krankheit.
(mehr Informationen zum Phytophthora-Erlensterben und zur Phytophthora-Situation 1999).
Neues zur Ausbreitung und Verschleppung
Die seit einigen Jahren bestehende Vermutung, ein wesentlicher Teil der Ausbreitung der Phytophthora-Krankheit der Erle könnte durch den Menschen erfolgen, hat sich bewahrheitet:
Inzwischen sind mehrere Fälle bekannt, wo der Erreger mit infiziertem Pflanzgut verbreitet wurde. Wenn die Infektion nicht, wie am natürlichen Standort (entlang von Wasserläufen oder in zeitweise überschwemmten Auwäldern) im Bereich des Stammanlaufes erfolgt, sondern über das eigentliche Wurzelsystem, ist die Zeitspanne zwischen Infektion und dem Erscheinen der ersten Symptome weit länger. Baumschulen und Forstgärten, die ihre Kulturen mit infiziertem Flusswasser beregnen, "beimpfen" ihre Erlenkulturen massiv mit dem Erreger, der im allgemeinen erst zu Symptomen führt, wenn die Pflanzen schon am natürlichen Standort gesetzt sind. Auf diese Weise erkrankte Aufforstungen werden zu massiven Infektionsherden, von wo aus bei Überschwemmungen zahlreiche Bäume flußabwärts infiziert werden können. Vor allem in Bayern sterben Erlen entlang der Donauzuflüsse in Massen ab, wobei dort in den vergangenen Jahren immer wieder nachgepflanzt wurde.
Obwohl dieser Mechanismus in Österreich gegenwärtig noch nicht nachgewiesen wurde, ist die Gefahr jedoch groß.
Aktuelle Verbreitung der Krankheit in Europa
Symptome + Nachweis des Erregers
Großbritannien
Irland
Deutschland
Frankreich
Belgien
Niederlande
Italien: seit 2000
Österreich
Ungarn: seit 2000
Schweden
Symptome
Tschechische Republik (seit 2001)
Zahlreich sind die Nachweise in Großbritannien, Frankreich und Deutschland. In diesen Ländern stellt die Phytophthora-Krankheit der Erle mittlerweile ein ernstes Problem dar. In den anderen Ländern ist sie eher lokal verbreitet. Österreich nimmt eine Zwischenstellung ein.
Verbreitung in Österreich
Schadensauftreten-Erfassung
Eine annähernd lückenlose Erfassung der Gesamtverbreitung des Phytophthora-Erlensterbens kann entweder auf der Basis eines Ordinaten-Netzes oder im Rahmen eines groß angelegten Surveys erfolgen. Von beiden Methoden wurde bisher abgesehen, da das Auftreten der Krankheit in Österreich bis zum Jahr 2000 punktuell war.
Massive Schäden im Burgenland
Seit dem Sommer 2000 sind jedoch zahlreiche Bach und Fluß begleitende Erlenzeilen sowie Bruchwälder im mittleren Burgenland und der angrenzenden Steiermark erkrankt, während aus Oberösterreich und Niederösterreich keine Neuauftreten gemeldet wurden. (Abb.1 und Abb.2)
Es handelt sich dabei gleichermaßen um natürliche Bestände wie um Aufforstungen. Letzteres stellt insofern eine Besonderheit dar, als diese Region Österreich-weit die einzige ist, wo man zwar weniger entlang der Flussläufe, aber dafür regelmäßig in feuchten Niederungen mit Schwarzerle nachpflanzt. Darin liegt auch ein Teil des Erklärungsmodells (mögliche Ausbreitung des Pilzes über infiziertes Pflanzgut, siehe oben). Im Vordergrund dürften jedoch massive Überschwemmungen stehen, die den Krankheitsausbruch ausgelöst haben dürften.
Erstauftreten in Tirol
Entgegen der bisherigen Annahme, daß im Alpenraum Fluß begleitende Erlenbestände vom Phytophthora-Erlensterben verschont bleiben könnten, wurde der Erreger im Dezember 2000 aus absterbenden Grauerlen am Innufer bei Kufstein isoliert (Abb.3).
Es handelt sich dabei um den Erstnachweis der Krankheit aus Tirol. Dieser Schadensfall ist insofern interessant, als er Bäume betrifft, deren untere Stammpartien infolge der Errichtung eines Flusskraftwerkes seit 1999 permanent unter Wasser stehen. Daher war zu erwarten, daß diese Erlen ohnehin früher oder später an Sauerstoffmangel und nachfolgend Wurzelfäule absterben würden.
Symptome
Die makroskopischen Symptome weisen teilweise Abweichungen gegenüber den bekannten Phytophthora-Symptomkombinationen auf: Teerflecken waren zwar vorhanden, aber eher selten. Bei manchen Bäumen konnten aufsteigende Rindennekrosen nicht nachgewiesen werden, die Rindengewebe trockneten schlichtweg aus. Nahezu alle Bäume hatten hingegen die typischen Phytophthora-Kronensymptome entwickelt: Kleinblättrigkeit, simultane Kronenwelke und Notfruktifikation) waren durchwegs vorhanden.
Es ist zu vermuten, daß die Phytophthora-Krankheit im konkreten Fall nur eine der Absterbensursachen ist, die andere aber doch das Absterben des Wurzelsystems aufgrund der permanenten Überstauung allein sein dürfte.
Insgesamt konnte der Krankheitserreger in Österreich bis dato an 9 Standorten nachgewiesen werden (Abb.4).
An den meisten dieser Standorte wurden Dauerbeobachtungsflächen eingerichtet.
Dauerbeobachtungsflächen
Dauerbeobachtungsflächen zur Verfolgung existieren in Österreich seit 1997. Im Rahmen jährlicher Symptom- und Zustandserhebungen wird hier die Entwicklung der Phytophthora-Krankheit verfolgt. Gegenwärtig sind 8 Flächen eingerichtet (Abb.4).
Oberösterreich: Perg, Pucking, Bärnthal (seit 1997)
Niederösterreich: Litschau (seit 1998), Schönau an der Donau (seit 1999)
Steiermark: Sankt Johann bei Hartberg (seit 2000)
Burgenland: Unterwart (seit 2001), Kemeten (seit 2001)
Entwicklung 1999-2001
In Oberösterreich ergab die seit 1997 jährlich durchgeführte genaue Erfassung des Krankheitsfortschrittes bis dato das Bild einer fast schon im Latenzstadium befindlichen Krankheit: allerdings zeigt sich sowohl zwischen den Standorten wie auch innerhalb der Standorte eine große Variabilität des Verlaufes. Von 1998 auf 1999 war an allen Flächen ein Krankheitsschub zu verzeichnen, der mit einiger Wahrscheinlichkeit mit dem hohen Niederschlagsangebot (Hochwasser) in Zusammenhang steht.
Erlen aller Altersklassen können nach Erscheinen der ersten Symptome sowohl innerhalb eines Jahres absterben wie auch mehrere Jahre lang erkrankt überleben oder sogar infolge Wundkallusbildung und Abschottung der Nekrosenherde wieder normale Belaubung entwickeln. So erklären sich die Erholungserscheinungen zwischen 1999 und 2001.
Auch die Absterbefälle blieben in diesem Zeitraum auf ein Minimum beschränkt.
An der Probefläche im Waldviertel ging die Anzahl erkrankter Erlen zwischen 1999 und 2000 stark zurück, von 2000 bis 2001 kam es hingegen wieder zu einem Anstieg. Das gleiche Phänomen war auch an der Probefläche in den Donauauen unterhalb von Wien zu verzeichnen, der Anstieg der Krankheitsfälle zwischen 2000 und 2001 war aber deutlich geringer als im Waldviertel.
Auf der Probefläche in der Steiermark blieb zwischen 2000 und 2001 der Anteil erkrankter Bäume gleich.
Kallusbildungen im Bereich der Stammbasis als Zeichen für zumindest partiell erfolgreiche Abwehrversuche des Baumes gegen den Rindentod finden sich an allen österreichischen Dauerbeobachtungsflächen. Bäume, die innerhalb eines Jahres nach dem Erscheinen der ersten Kronensymptome abstarben, sind bisher insgesamt selten geblieben.
Resumee zur Situation in Österreich
Wenn in Bayern die Phytophthora-Wurzelfäule der Erle in epidemischem Ausmaß an den letzlich in die Donau entwässernden Bächen und Flüssen vorhanden ist, die Erlenbestände im österreichischen Donaugebiet jedoch noch weitgehend verschont geblieben sind, so ist das wahrscheinlich auf den enormen Verdünnungsfaktor durch die großen Wassermengen einerseits, andererseits auf die inzwischen nur mehr geringen Überflutungen der Auwälder zurückzuführen. Ein kontinuierlicher Nachschub an infektiösem Material, wie er derzeit gegeben ist, muß aber langfristig doch eine stärkere Ausbreitung der Krankheit entlang der Donau zur Folge haben.
Ein wesentliches Ergebnis der langjährigen Beobachtung von an Phytophthora erkrankten Erlenbeständen ist die Erkenntnis, daß sowohl Schwarz- wie Grauerlen ein gewisses Potential an
Abwehrmechanismen auf der Basis von Wundabschottung durch Kallusbildung besitzen. Diese Fähigkeit ermöglicht das Überleben erkrankter Bäume über mehrere Jahre hinweg. Künstlich infizierte Versuchspflanzen überleben oft jahrelang, wobei die gleichen Überwallungsbilder entstehen wie nach natürlicher Infektion am Standort. Abnorme Überschwemmungen nach Ausbruch der Krankheit sind wahrscheinlich für den Krankheitsverlauf ein starker Beschleunigungsfaktor, wobei noch nicht klar ist, ob dies in erster Linie infolge massiver Neuinfektionen an der Stammbasis oder durch eine physiologische Schwächung des Baumes oder beides gegeben ist.
Handlungsbedarf
Neben Detailfragen zur Infektionsbiologie (Klärung der Überlebensfähigkeit des Pilzes in verschiedenen Bodentypen, Schwächung der Erlen durch abnorme Hochwässer, Dauer und Höhe der Überflutung, Selektion resistenter Erlenherkünfte etc.) muß sich ein wesentlicher Teil der Arbeiten auf die Erforschung von Möglichkeiten zur Vermeidung der Verschleppung via Pflanzgut konzentrieren.
An der Entwicklung praktikabler Kontrollmethoden für die Baumschulen, um jederzeit überprüfen zu können, ob verschicktes Material infektionsfrei ist, wird gearbeitet. |