Biodiversität von Bodenorganismen in Naturwäldern
Zechmeister-Boltenstern. S

 

Genetische Diversität von Bakteriengemeinschaften in Böden natürlicher Waldgesellschaften

Projektleiter/ Projektmitarbeiter: Evelyn Hackl, Sophie Zechmeister-Boltenstern und Angela Sessitsch

Ökologische Bedeutung:

Die höchste Diversität im Waldboden ist bei den Mikroorganismen wie den Bakterien und Pilzen zu finden. Die Bodenbakterien verfügen über eine große funktionelle Vielseitigkeit. Sie gewährleisten den Nährstoffumsatz, stabilisieren die Bodenstruktur und verbessern die Wasserspeicherung, fördern das Pflanzenwachstum und helfen bei der Abwehr von Krankheiten. Gemeinsam mit den Pilzen leisten sie den größten Beitrag zum Abbau der organischen Substanz und stellen daraus Nährstoffe bereit, die in der Folge von den Pflanzen aufgenommen werden. Bodenbakterien leben meistens in einer nährstoffarmen Umwelt. Sie verbringen oft lange Phasen des langsamen Wachstums und zeigen dann plötzlich sehr hohe Wachstumsraten, wenn kurzfristig Nahrung (z.B. in Form von Pflanzenresten, Blattlaub oder einem Tierkadaver) verfügbar wird.
In einem Gramm Waldboden können zwischen 4000 und 7000 verschiedene Bakterienarten erwartet werden. Die Untersuchung der Bodenbakterien war lange Zeit sehr eingeschränkt möglich, weil nur ein geringer Anteil dieser Bakterien im Labor kultivierbar ist. Seit der Entwicklung von molekularbiologischen Methoden ist es nicht mehr notwendig, die Bakterien zu kultivieren, um sie zu bestimmen. Mit Hilfe der DNA-Analyse kann man die Bodenbakterien identifizieren und bestimmten Verwandtschaftsgruppen zuordnen.

Ziel des Projektes:

Die Bakteriengemeinschaften in den Böden von sechs Naturwäldern, darunter jeweils zwei Eichen-Hainbuchen-Wälder, Fichten-Tannen-Buchenwälder und Schwarzföhrenwälder, werden untersucht. Spezielle Abschnitte des Erbmaterials der Bakterien einer Bodenprobe, nämlich die 16S rRNA-Gene, werden herangezogen, um die verwandtschaftlichen Verhältnisse der Bakteriengemeinschaften aufzuklären. Die 16S rRNA-Gene der Bakteriengemeinschaften aus verschiedenen Waldtypen werden in einem „genetischen Fingerabdruck“ abgebildet. Durch die Herstellung von identischen Kopien dieser Gene werden außerdem Gendatenbanken der Bodenbakterien einzelner Standorte angefertigt.

Bisherige Ergebnisse:

Die Bakteriengemeinschaften in den Böden der Schwarzföhrenwälder unterscheiden sich ganz wesentlich von denen der anderen Wälder. Besonders markant erscheinen diese Unterschiede beim Vergleich der Gendatenbank der Bakterien des Schwarzföhrenwaldes Stampfltal mit den Gendatenbanken der Bakterien des Eichen-Hainbuchenwaldes Kolmberg und des Fichten-Tannen-Buchenwaldes Rothwald. Der Schwarzföhrenwald Stampfltal zeichnet sich aufgrund von Informationen aus den „genetischen Fingerabdrücken“ der Bodenbakterien durch die höchste bakterielle Diversität aus. Die beiden Fichten-Tannen-Buchenwälder Neuwald und Rothwald sind auf unterschiedlichem geologischem Untergrund gelegen und weisen deutliche Unterschiede in der Zusammensetzung der bakteriellen Gemeinschaften im Boden auf.
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