Für andere Christbaumarten (ca. 5 % der Produktion)
können die angegebenen Richtwerte als Orientierungshilfe genutzt
werden.
Für folgende Fragen sollen dem Praktiker Entscheidungshilfen
gegeben werden:
Grundsätzlich gilt, dass Arbeit, Geld und Mühen für
Düngung, Pflanzenschutz sowie zur Hebung der Qualität bei der
heranwachsenden Christbaumkultur gespart werden können, wenn gut geeignete
Pflanzen verwendet sowie der Verschulung und Auspflanzung (also dem Vermeiden
von Setzfehlern) größte Aufmerksamkeit und Sorgfalt gewidmet werden.
Der Auspflanzungszeitpunkt ist abhängig von der Region und dem
Witterungsverlauf zu wählen. Die Zwischenlagerung der Pflanzen im
Einschlag muss sorgfältig vorgenommen werden, um vor allem
Wurzelschäden und Austrocknung der Pflanzen zu verhindern. Beim
Einpflanzen sind Beschädigungen der Wurzeln, ihre Austrocknung, ein zu
tiefes Einsetzen ebenso zu vermeiden, wie zu starke Verfestigung der Pflanzen
auf bindigen Böden.
Die Standortansprüche der verschiedenen Baumarten sind
unterschiedlich und zusätzlich herkunftsabhängig. Auf folgende
Rahmenbedingungen ist jedoch besonders zu achten:
Bei zu hohen pH-Werten (> 7,0) kann es zu Schwierigkeiten mit
der Spurenelement-versorgung kommen (Fe, Mn, Cu, Zn), bei zu niedrigen
pH-Werten (< 4,0) sind Nährelementauswaschungen (vor allem K, Mg) und
Spurenelementmangel keine Seltenheit.
Zur Abschätzung des Düngerbedarfes ist die Kenntnis des
Nährstoffentzuges durch die Pflanze Voraussetzung. Tabelle 3 liefert
dafür Anhaltspunkte.
Die hier angegebenen Richtmengen sollen unter
Berücksichtigung der Faktoren von Tabelle 6 nicht überschritten
werden (Ausbringung siehe Punkt 7.7). Eine Düngung im 3./4./5. Standjahr
und/oder 2./3. Jahr vor der Nutzung scheint im Zusammenhang mit einer
Nadelanalyse zielführend. Treten Nährstoffmängel auf, so sind
auch in den Jahren dazwischen zusätzliche Düngungsmaßnahmen
erforderlich.
4. Mangelerscheinungen
Nährstoffmängel sind äußerlich oft am
Erscheinungsbild der Pflanze erkennbar:
| Stickstoffmangel: |
Gelbgrüne, fahle
Verfärbung der Nadeln (Chlorose), Nadeln sind klein und kurz. |
| Phosphormangel: |
Rotviolette und graugrüne
Verfärbung der Nadeln. |
| Kalimangel: |
Anfangs hellgelbe
Verfärbung der Spitzen älterer Nadeln, später von den
Nadelspitzen ausgehendes Braunwerden (Vertrocknung), Abfallen der Nadeln;
Spitzendürre der Pflanzen. |
| Magnesiummangel: |
Zunächst Goldspitzigkeit,
dann gelblichweiße Verfärbung der Nadeln (Chlorophyllfleckigkeit).
|
Da die visuellen Symptome bei Nährstoffmangel,
Überversorgung und biotischen Schäden oft recht ähnlich sind,
wird in allen Fällen eine Nadelanalyse empfohlen. Durch eine gezielte
Düngung können diese Mängel behoben und die oft empfindlichen
Wachstumsstörungen eingedämmt werden. Dabei ist auch auf eine
ausreichende Versorgung mit Spurenelementen (Cu, Zn, Mn, Fe, B) zu achten. Oft
gehen Wuchsstörungen auf den Mangel an Spurenelementen zurück.
5. Nadeluntersuchung
Nadelanalysen dienen zur Feststellung der aktuellen
Nährstoffversorgung von Bäumen. Wird Nährstoffmangel
festgestellt, hilft die Bodenanalyse, mögliche Ursachen zu erkennen. Es
ist daher zweckmäßig, vor einer Bodenanalyse die Nadelanalyse
durchzuführen. Erst auf Grund beider Analysen kann eine gezielte
Düngeempfehlung gegeben werden.
5.1 Richtwerte für Nährstoffgehalte in Nadeln
Tabelle 5 enthält Beurteilungswerte für den
jüngsten Nadeljahrgang (Nadeljahrgang 1). Die Werte basieren auf
verschiedenen Quellen und stellen eine mittlere Bandbreite für
ausreichende Versorgung dar. Daher können im Einzelfall - meist
standortsabhängig - Abweichungen von diesen Richtwerten auftreten, ohne
dass Vitalität und Aussehen des Baumes beeinträchtigt sind.
Tabelle 5: Richtwerte für Gesamtgehalte in Nadeln
(bezogen auf Trockenmasse) bei ausreichender Nährstoffversorgung
(Nadeljahrgang 1)
|
N |
P |
K |
Ca |
Mg |
Fe |
Mn |
Cu |
Zn |
|
g/100 g (%) |
mg/kg (ppm) Trockenmasse |
|
Abies alba Heimische Tanne |
1,2 - 1,8 |
0,13- 0,30 |
0,60-1,20 |
0,40-1,00 |
>0,10 |
>20 |
>50 |
>3 |
>20 |
|
Abies nordmanniana Nordmannstanne |
1,2 - 1,8 |
0,13-0,30 |
0,50-1,00 |
0,50-1,00 |
>0,08 |
>30 |
>50 |
>3 |
>20 |
|
Picea abies Heimische Fichte |
1,3 - 1,8 |
0,15-0,30 |
0,50-1,20 |
0,30-1,00 |
>0.08 |
>30 |
>50 |
>4 |
>20 |
|
Picea pungens glauca Blaufichte |
1,3 - 1,8 |
0,13-0,30 |
0,30-0,80 |
0,50-1,00 |
>0,10 |
>40 |
>50 |
>3 |
>20 |
Die Analyse von älteren Nadeljahrgängen (2. oder 3.)
kann in Einzelfällen zusätzliche Hinweise auf die Ursache und
Intensität von Nährstoffmangelerscheinungen bringen. Für den
Fall, dass auch oder nur ältere Nadeljahrgänge von
Verfärbungen betroffen sind, ist die Analyse von älteren
Nadeljahrgängen empfehlenswert.
5.2 Nadelprobenahme
Nadelproben müssen aus dem oberen Kronendrittel entnommen
werden. Um Daten der Nadelanalyse richtig beurteilen zu können, ist
außerdem der Zeitpunkt der Probenahme wichtig, da nur physiologisch
gleich weit entwickelte Nadeln miteinander verglichen werden dürfen.
Für eine Probenahme kommt daher nur die Zeit der Vegetationsruhe (Oktober
Feber) in Frage.
Aus organisatorischen Gründen ist eine Probenahme im
Jänner empfehlenswert.
- Zur Überprüfung der Nährstoffversorgung ist
eine Mischprobe (bestehend aus jeweils 2 Ästen von mindestens 3
Bäumen der gleichen Baumart) zu nehmen. Die Äste sollten mindestens 3
Nadeljahrgänge aufweisen.
- Bei Nadelverfärbungen sind mindestens 2 Mischproben zu
nehmen: Eine Mischprobe soll von verfärbten Bäumen (keine
abgestorbenen Äste!) und eine von offensichtlich gesunden Bäumen der
gleichen Baumart stammen.
Die Mischproben sind getrennt in saubere Plastiksäcke zu
verpacken. Ein Zettel mit dem Namen des Auftraggebers, Probenahmedatum und
Probenummer je Astprobe ist beizulegen. Die Säcke sind mit einem
Begleitschreiben (siehe Anhang) möglichst rasch an das Unter-suchungslabor
zu senden.
Die Zeitspanne zwischen Probenahme und Einlangen im Labor
darf eine Woche nicht überschreiten.
Folgende Angaben soll das Begleitschreiben enthalten (siehe
Anhang):
- Auftraggeber und Rechnungsempfänger
- Zustelladresse
- Telefonnummer (Fax, Email)
- Beschreibung der Fläche (Skizze, Lage, Hangneigung,
...)
- Grund der Untersuchung (Nährstoffkontrolle,
Nadelverfärbung, ...)
- Angaben über erfolgte Düngung, Herbizideinsatz,
Insektizideinsatz, ... (Menge und Zeitpunkt)
- Datum und Ort der Probenahme
- Liste aller Proben (Bezeichnung / Nummer, Baumart,
Verfärbung, Anmerkungen zur Probe, ...)
5.3 Analyse
Alle Analysenmethoden, die Gesamtgehalte liefern, sind
zulässig (Stefan & Ma., 1999). Die Nadeljahrgänge sind getrennt
zu analysieren.
6 Bodenuntersuchung und Bodenrichtwerte
Bodenanalysen dienen zur Beurteilung der
Nährstoffversorgung des Bodens. Für Christbaumkulturen kommen in der
Regel Analysenmethoden aus dem landwirtschaftlichen Bereich zur Anwendung.
6.1 Bodenprobenahme
Für eine homogene Fläche mit einheitlicher
Bodenbeschaffenheit genügt es, eine Durchschnittsprobe für eine
Flächengröße von rund einem Hektar zu nehmen. Uneinheitliche
Flächen sind zuvor in homogene Teilflächen zu unterteilen, von denen
dann jeweils Durchschnittsproben zu nehmen sind. Eine Durchschnittsprobe
(Mischprobe) ist eine Probe, die repräsentativ für alle
zu untersuchenden Merkmale der (Teil-)Fläche ist. Sie setzt sich aus
zumindest zehn voneinander unabhängigen und etwa gleich großen
Einzelproben zusammen. Die Proben sollen alle aus dem Wurzelbereich
(Kronenschirm) der Christbäume stammen und sind gleichmäßig
oder zufällig über die Fläche verteilt. Alle Einzelproben werden
aus der gleichen Bodentiefe (meist 0 20 cm, bei ehemals tieferer
Pflugsohle 0 30 cm) entnommen. Eine Gesamtmasse von rund einem Kilogramm
ist für die Durchschnittsprobe ausreichend, soll aber nicht unterschritten
werden.
Die Durchschnittsproben werden in Probenbehälter (z.B.
Plastiksäckchen) abgefüllt, welche mit wasserfestem Filzstift
deutlich lesbar beschriftet werden. Dabei ist die Probe so zu kennzeichnen,
dass eine eindeutige Zuordnung zum Probenahmeprotokoll möglich ist
(Auftraggeber, Probenahmedatum, Probenummer bzw. Parzellennummer). Es hat sich
bewährt, zusätzlich ein Plastikkärtchen mit denselben Angaben
zur Probe in den Probebehälter zu legen. Für den Transport sind die
Probebehälter sorgfältig zu verschließen, sodass keine Proben
verloren gehen oder miteinander vermischt werden.
Die geschlossenen Probenbehälter sind möglichst
kühl aufzubewahren und innerhalb von zwei Wochen zur Untersuchungsstelle
zu bringen.
Lagern in der Sonne oder im überhitzten Auto ist zu
vermeiden. Sollen Nmin-Analysen (verfügbarer Stickstoff) durchgeführt
werden, so muss die Probe sofort gekühlt (maximal +4·C) und
umgehend zur Untersuchungsstelle transportiert werden.
Bei Verdacht auf Mangelversorgung des Bodens sollen,
ähnlich wie bei der Nadelanalyse, zumindest zwei Durchschnittsproben
eine von einer offensichtlich gesunden, die andere von der vermutlich
mangelhaft versorgten Teilfläche entnommen werden.
Das Begleitschreiben soll, wie unter Punkt 5.2 beschrieben,
verfasst werden (siehe Anhang).
Für die meisten Analysen kann die Probenahme
ganzjährig erfolgen. Eine Nmin-Probenahme sollte unmittelbar vor einer
geplanten Stickstoffdüngung durchgeführt werden.
6.2 Bodenanalysen
Bei Auftragsvergabe soll darauf geachtet werden, dass die
Bodenuntersuchungen von Christbaumkulturen normgerecht durchgeführt
werden, um Vergleichbarkeit und Interpretierbarkeit zu ermöglichen.
Die betreffenden Normen sind:
| pH-Analyse: |
pH in CaCl2-Lösung |
nach ÖNORM L 1083 |
| P- und K-Analyse: |
Für pHBoden < 6,0: DL-Methode
Für pHBoden > 6,0: CAL-Methode |
nach ÖNORM L 1088 nach ÖNORM L
1087 |
| Mg-Analyse: |
CaCl2-austauschbares Mg oder
BaCl2-austauschbares Mg |
nach ÖNORM L 1093 nach
ÖNORM L 1086 |
| Nmin-Analyse: |
Nmin-Methode |
nach ÖNORM L 1091 |
Spurenelementanalyse: (Fe, Mn, Cu,
Zn) |
EDTA-Auszug |
nach ÖNORM L 1089 |
6.3 Bewertung der Analysenergebnisse
Die Versorgung der Böden mit
pflanzenverfügbarem Phosphor, Kalium und Magnesium kann mit
Hilfe von Tabelle 6 eingestuft werden. Sie gibt durchschnittliche
Gehaltsklassen (A [für sehr niedrige Versorgung] bis E [für sehr hohe
Versorgung]) für die Nährstoffe Phosphor, Kalium und Magnesium von
Böden mit Christbaumkulturen an.
Tabelle 6: Gehaltsklassen (A bis E) von Böden mit
Christbaumkulturen. Fett gedruckt sind die heute noch
gebräuchlichen Angaben in Oxidform und in mg/100g Boden.
Kleiner gedruckt sind die zukünftig verwendeten Angaben in
Reinelementform und in mg/kg Boden. (Die jeweiligen Umrechnungen
erfolgten mit fixen Umrechnungsfaktoren2. Die berechneten
Zahlenwerte wurden leicht korrigiert, um runde Beträge zu
erhalten.)
| 2Umrechnungsfaktoren:
|
|
mg P2O5 /100g
mg P /kg: 4,4
|
mg P /kg
mg
P2O5 /100g: 0,23 |
mg K2O /100g
mg K /kg:
8,3 |
mg K /kg
mg
K2O /100g 0,12 |
mg Mg /100g
mg Mg /kg:
10 |
mg Mg /kg
mg Mg /100g:
0,10 |
|
Gehaltsklasse Faktor |
P2O5
mg/100g |
P
mg/kg |
K2O mg/100g |
K mg/kg |
Mg mg/100g |
Mg mg/kg |
|
leicht |
mittelschwer |
leicht |
mittel- schwer |
leicht |
mittel- schwer |
leicht |
mitte- schwer |
|
A
Faktor 2 |
< 5 |
< 20 |
< 5 |
< 10 |
< 40 |
< 80 |
< 2.5 |
< 5 |
< 25 |
< 50 |
|
B
Faktor 1.5 |
5-10 |
20-45 |
5-10 |
10-15 |
40-80 |
80-120 |
2.5-5 |
5-7.5 |
25-50 |
50-75 |
|
C
Faktor 1 |
11-20 |
46-90 |
11-20 |
16-25 |
81-170 |
121-200 |
5.1-7.5 |
7.6-12 |
51-75 |
76-120 |
|
D
Faktor 0.5 |
21-30 |
91-130 |
21-30 |
26-35 |
171-250 |
200-300 |
7.6-12 |
12.1-20 |
76-120 |
121-200 |
|
E
Faktor 0 |
> 30 |
> 130 |
> 30 |
> 35 |
> 250 |
> 300 |
> 12 |
> 20 |
> 120 |
> 200 |
Gehaltsklasse C (ausreichende Versorgung grau unterlegt)
stellt den anzustrebenden Gehalt des Bodens dar. Ist der Boden höher
(Klasse D, E) oder niedriger (Klasse A, B) mit Nährstoffen versorgt, sind
entsprechende Ab- oder Zuschläge (Faktoren) zu berücksichtigen. Dazu
ist der in Tabelle 4 angeführte Nährstoffbedarf mit dem
jeweiligen Faktor zu multiplizieren. Für Kalium und Magnesium wird
zusätzlich zwischen leichten und mittleren bis schweren Böden
unterschieden.
Rechenbeispiele:
1. Eine Bodenuntersuchung ergibt für einen leichten
Boden folgende Analysenergebnisse:
| 30 mg P /kg (bzw. 6,9 mg P2O5 /100
g) |
daher: |
Gehaltsklasse B [Faktor 1,5] |
| 73 mg K /kg (bzw. 8,8 mg K2O /100 g) |
daher: |
Gehaltsklasse B [Faktor 1,5] |
| 20 mg Mg /kg (bzw. 2,0 mg Mg /100 g) |
daher: |
Gehaltsklasse A [Faktor 2] |
Daraus ergibt sich unter Einbeziehung von Tabelle 4 folgende
Düngeempfehlung:
|
a) für Nordmannstanne und Blaufichte:
|
45 kg /ha |
P2O5 |
|
82,5 kg /ha |
K2O |
|
30 kg /ha |
MgO |
|
b) für Heimische Tanne und Heimische Fichte:
|
30 kg /ha |
P2O5 |
|
75 kg /ha |
K2O |
|
30 kg /ha |
MgO |
4. Eine Bodenuntersuchung ergibt für einen schweren
Boden folgende Analysenergebnisse:
| 143 mg P /kg (bzw. 32,9 mg
P2O5/100 g) |
daher: |
Gehaltsklasse E [Faktor 0] |
| 157 mg K /kg (bzw. 18,8 mg K2O /100
g) |
daher: |
Gehaltsklasse C [Faktor 1] |
| 188 mg Mg /kg (bzw. 18,8 mg Mg /100 g) |
daher: |
Gehaltsklasse D [Faktor 0,5] |
Daraus ergibt sich unter Einbeziehung von Tabelle 4 folgende
Düngeempfehlung:
|
a) für Nordmannstanne und Blaufichte:
|
keine P2O5
-Düngung! |
|
55 kg /ha |
K2O |
|
7,5 kg /ha |
MgO |
|
b) für Heimische Tanne und Heimische Fichte:
|
keine P2O5
-Düngung! |
|
50 kg /ha |
K2O |
|
7,5 kg /ha |
MgO |
7 Düngung und Düngewirkung
Beim Einsatz von Düngemitteln ist zu berücksichtigen,
dass die mit einer mineralischen Düngung zugeführten Nährstoffe
auf Grund der unterschiedlichen Löslichkeit nicht zur Gänze von den
Pflanzen ausgenützt werden können und darüber hinaus
Verlagerungs- und Festlegungsverluste gegeben sind. Andererseits ist bei den
(mehrjährigen) Christbaumkulturen auch die längerfristige
Düngewirkung zu beachten.
7.1 Stickstoffdünger
Voraussetzung für die volle Wirkung der
Stickstoffdüngung ist, dass die Versorgung der Pflanzen mit den
übrigen mineralischen Nährstoffen ausreichend ist. Bei Mangel an
Phosphat, Kalium oder anderen Nährstoffen kann eine Stickstoffgabe
wirkungslos bleiben, ja sogar schädlich wirken.
Zu hohe Stickstoffgaben können zwar ein starkes Wachstum
zur Folge haben und eine gewünschte Färbung bringen, es kann aber
geschehen, dass die Pflanzen schlecht verholzen und ihr Wachstum zu spät
abschließen, wodurch ihre Frostanfälligkeit zunimmt. Ferner treten
neben unbefriedigender Bewurzelung bei zu reichlicher Stickstoffversorgung
erhöhte Anfälligkeiten gegenüber verschiedenen Schädlingen
und Trockenheit auf.
Stickstoffdünger sollen dann gegeben werden, wenn die
Bäume zusätzlichen Bedarf an Stickstoff haben. Eine Teilung der
Stickstoffdüngung ist zu empfehlen, da je nach Düngungszeitpunkt
unterschiedliche physiologische Wirkungen erzielt werden: Eine Düngung zum
Knospenaustrieb (standortsabhängig zwischen März und Mai)
fördert das Triebwachstum, eine spätere Düngung
(standortsabhängig zwischen Mai und Juli) fördert das Wurzelwachstum
und die Nährstoffspeicherung.
Ab Anfang August sollen keine stickstoffhältigen
Düngemittel ausgebracht werden, da dann eine schlechte Knospenanlage und
geminderte Frosthärte zu erwarten sind.
Kalkammonsalpeter (26-28 % N)
wirkt neutral und enthält je zur Hälfte sowohl rasch
wirkenden Salpeter- als auch nachhaltig wirkenden Ammoniumstickstoff.
Ammonsulfat (21 % N)
entzieht überkalkten Böden einen Teil der
überschüssigen basischen Bestandteile und wirkt bei wiederholter oder
höherer Gabe versauernd. Die Anwendung erfolgt im Frühjahr, wobei der
Dünger bei trockenem Wetter zu streuen ist.
Harnstoff (46 % N)
wirkt physiologisch sauer und ist für alle Böden,
für kalkreiche aber nur mit Vorbehalt, geeignet, da bei diesen ein Teil
als Ammoniak flüchtig ist. Wenn Harnstoff auf kalkreichen Böden
aufgebracht wird, sollte er sofort nach Ausbringung in den Boden eingearbeitet
werden. Bei häufiger Verwendung auf dichten oder stark humosen Böden
besteht die Gefahr der Verschlämmung. Über den Boden eingebrachter
Harnstoff wirkt langsam, bei Blattdüngung rasch.
Kalkstickstoff (21 % N)
wirkt physiologisch alkalisch und ist für saure bis schwach
saure Böden zu empfehlen. Bei Aufwandmengen von mindestens 300 kg/ha
entfaltet er auch herbizide Wirkung.
7.2 Phosphordünger
Thomaskorn (15 % P2O5, 30 % CaO, 1,5
3 % MgO)
ist für saure Böden geeignet.
Hyperphosphat (30 % P2O5)
ist für saure Böden besonders geeignet.
Superphosphat (18 % P2O5)
kann auf neutralen und basischen Böden sowohl im
Frühjahr als auch im Herbst angewandt werden, da das wasserlösliche
Phosphat des Superphosphates kaum der Auswaschungsgefahr unterliegt.
Phosphat ist im Boden wenig beweglich, daher ist Einarbeiten
vorteilhaft. Zu saure oder zu basische Reaktion setzt die
Aufnahmefähigkeit der Phosphate herab, ausreichender Humusgehalt
erhöht sie.
7.3 Kalidünger
Patentkali (30 % K2O + 9
% MgO)
ist ein geeigneter (auch magnesiumhältiger) Dünger, um
das Calcium/Kalium-Verhältnis auszugleichen.
Schwefelsaures Kali
(50 % K2O)
wird verwendet, wenn genügend Magnesium vorhanden ist.
Bei der Düngung mit Kalisalzen sind
Verätzungsschäden junger Triebe möglich, wenn sie mit dem
Dünger in Berührung kommen. Chloridhaltige Kalidünger sind zu
vermeiden.
7.4 Mehrnährstoffdünger
Mehrnährstoffdünger werden mit verschiedenen
Nährstoffverhältnissen angeboten. Von diesen sind nur die
chloridarmen bzw. chloridfreien Düngemittel zu empfehlen. Die
chloridfreien sind zu bevorzugen. Manche Mehrnährstoffdünger
enthalten auch Magnesium und Spurenelemente.
7.5 Organische Dünger
Organische Dünger, wie Stallmist und Kompost, haben
günstige Eigenschaften für die Bodenfruchtbarkeit (Humusversorgung,
Pufferungsvermögen, Nährstoffversorgung, Wasserhaltevermögen).
Sie werden aber zurzeit in Christbaumkulturen kaum verwendet, da geeignete
Ausbringungstechniken nicht zur Verfügung stehen.
Gründüngung empfiehlt sich vor der Erstanlage einer
Christbaumkultur auf ehemaligen Ackerböden oder nach der Räumung
einer Kultur. Gründüngung reichert den Boden mit Humus und Stickstoff
an und fördert das Bodenleben. Für die Gründüngung kommen
auf leichten Böden in erster Linie Gelbe Lupine, Ackerbohne, Raps,
Ackersenf, Hafer, Körnererbsen und auf Lehmböden Blaue Lupine,
Wicken und Ackerbohnen in Frage. Für das Gedeihen von
Gründüngungspflanzen ist im allgemeinen ein mit Nährstoffen gut
versorgter Boden Voraussetzung, was für ehemalige Ackerböden meist
zutreffen wird. Die Gründüngung soll nach Möglichkeit zum
Zeitpunkt der optimalen Entwicklung der Grünmasse (das ist im letzten
Drittel der Blüte) gehäckselt und sogleich danach eingearbeitet
werden.
7.6 Nadeldüngung
Durch Nadeldüngung können Mangelerscheinungen der
Pflanzen rascher behoben und den Nadeln ´Farbe gegeben´ werden (N,
Mg, Spurenelemente). Eine Bodenverbesserung wird dadurch kaum erreicht.
7.7 Ausbringung der Dünger
Um Unkrautdruck bzw. Graswachstum hintanzuhalten sind
Einzeldüngung und Reihendüngung einer Flächendüngung
vorzuziehen. Dabei wird auch Dünger gespart, was ökologische und
ökonomische Vorteile bringt.
8 Kulturen auf Waldboden, Mykorrhiza3
Nur ein geringer Teil (rund 10 %) von Christbaumkulturen stehen
auf Waldboden. Für sie gelten die bisher gemachten Angaben nur mit
Vorbehalt: Der Profilaufbau eines Waldbodens und sein Bodenleben unterscheiden
sich markant von (ehemals) landwirtschaftlich genutzten Böden; die
Nährstoffgehalte sind anders zu interpretieren, auch werden meist andere
Analysenmethoden angewandt.
Die Nutzung eines Waldbodens ist extensiver, die
Verfügbarkeit des meist geringeren Nährstoffangebots durch das
reichere Bodenleben und die Mykorrhiza aber besser. Es stellt sich daher die
Frage, ob in forstlich bearbeiteten Christbaumspezialkulturen mögliche
Probleme, die mit der Mykorrhiza nicht in einem direkten Zusammenhang stehen,
über eine Verbesserung der Mykorrhizasituation vermindert oder beseitigt
werden können.
3Mycorrhiza: Symbiose zwischen
Bodenpilzen und den Wurzeln höherer Pflanzen. Die Symbiose ist eine
Lebensgemeinschaft, aus der beide Beteiligte Nutzen ziehen.
8.1 Bedeutung der Mykorrhiza und Ausgangssituation
Viele für das Wachstum von Forstpflanzen so auch von
Christbäumen wichtige Prozesse finden im Feinwurzelsystem und in
den dieses unmittelbar umgebenden Bereichen des Bodens statt. Die Mykorrhiza
als Symbiose zwischen Baum und Pilz hat gerade bei den Forstgehölzen einen
besonderen Stellenwert. Vorteile und Nutzen für den Baum bestehen in einer
verbesserten Aufnahme und Bereitstellung von Wasser, Wuchs- und
Nährstoffen. Weiters umgibt die Mykorrhiza die empfindlichen Wurzelhaare
mit einem Pilzmantel und schützt damit einerseits den Baum vor
Schädlingen und macht ihn andererseits zu einem besseren Konkurrenten um
Nährstoffe.
Der Anbau von Christbaumkulturen erfolgt bevorzugt auf ehemals
landwirtschaftlichen Flächen, Kahlflächen im Wald und unter
energiewirtschaftlichen Leitungsanlagen. Weil viele dieser Flächen nicht
unter ständiger forstlicher Nutzung waren, ist zu erwarten, dass die
Mykorrhiza reduziert oder die Vielfalt an notwendigen Pilzen unzureichend ist.
Vor allem bei Begründung von neuen Produktionsflächen kann es sein,
dass die fördernde Wirkung der Mykorrhiza gegenüber den gepflanzten
Baumarten reduziert oder eine durch die Mykorrhiza bedingte Schutzwirkung
gegenüber Krankheiten und Schädlingen nicht hinreichend
gewährleistet ist. Zudem ist aufgrund der besonderen
Produktionsbedingungen in Christbaumkulturen (wenig Baumarten, einheitliches
Baumalter, homogener Anbau) davon auszugehen, dass die Mykorrhiza durch ein
eingeschränktes Spektrum an Pilzen geprägt ist.
8.2 Mykorrhiza und Pflanzenschutz
In vielen Christbaumkulturen wird eine Vielfalt an
Pflanzenschutzmitteln eingesetzt, die der erhöhten Anfälligkeit der
Christbäume gegenüber Schadinsekten und Pilzkrankheiten
entgegenwirken sollen. Außerdem gelangen Herbizide für die
Begleitwuchsregulierung (Unkrautbekämpfung) zur Anwendung. Dabei kommen
fallweise Pflanzenschutzmittel zum Einsatz, die auf die Mykorrhiza in
vielfältiger Weise einwirken und sie in ihrer Zusammensetzung
verändern können. Die ökologische Tragweite vieler chemischer
Betriebsmittel im Hinblick auf die Mykorrhiza ist oft noch ungeklärt.
8.3 Mykorrhiza und Düngung
Düngung hat einen bedeutenden Einfluss auf die
Mykorrhizierung angepflanzter Christbäume. Der Einsatz von
Düngemitteln kann nicht nur zu einer Reduktion der Mykorrhiza, sondern
auch zu einer Verschiebung des Artenspektrums der Mykorrhizapilze führen
und so unter Umständen die Vorteile dieser Symbiose mindern. In stark
gedüngten Bereichen kann es zu einem verstärkten Vorkommen solcher
Mykorrhizapilze kommen, die nur einen geringen Beitrag zum Baumwachstum
leisten. Außerdem können einseitige Düngemaßnahmen
Schadpilze im Wurzelbereich begünstigen, welche unter Umständen
negativ auf die Mykorrhiza oder auf das Wachstum der Christbäume
einwirken.
8.4 Massnahmen zur Förderung der Mykorrhiza
Um eine geeignete und ausreichende Mykorrhiza in
Christbaumkulturen zu erhalten, sollten folgende Maßnahmen in Betracht
gezogen werden:
- Flächen für Christbaumkulturen sollten hinsichtlich
der Mykorrhiza beurteilt werden. Eine Standortwahl sollte auch die
bodenbiologische Situation berücksichtigen. Eine umsichtige Standortwahl,
die Auswahl geeigneter Baumarten und der entsprechenden Herkünfte
führen zu besseren Ausgangsbedingungen für eine effiziente Mykorrhiza
bei Christbäumen.
Empfehlung: Bei Neuanlage
einer Produktionsfläche oder bei Problemen während der Produktion
soll eine fachliche Beurteilung der Mykorrhiza-Situation eingeholt werden.
- Zur Pflanzung sollte Material mit ausreichender Mykorrhiza
verwendet werden. Auf die Mykorrhiza-fördernden Maßnahmen ist schon
bei der Anzucht und beim Setzen des Pflanzenmaterials zu achten.
Empfehlung: Fachliche Beurteilung der Mykorrhiza beim
eingesetzten Pflanzenmaterial.
- Während der Produktionsphase sollten begleitende,
fördernde Maßnahmen zur Verbesserung der Mykorrhizaverhältnisse
im Boden getroffen werden. Solche Maßnahmen sind sinnvoller Weise erst
nach einer Beurteilung der örtlichen Gegebenheiten zu treffen.
- Umsichtiger Einsatz chemischer Betriebsmittel (Fungizide,
Herbizide, Insektizide), um die Mykorrhizierung und andere bodenbiologische
Vorgänge nicht zu beeinträchtigen.
Empfehlung:
Die Anwendung chemischer Betriebsmittel sollte auf das notwendige
Maß reduziert oder durch andere Verfahren ersetzt werden (z.B.
Begleitwuchsregulierung durch Beweidung mit Shropshire Schafen oder
mechanisch).
- Eine Optimierung des Düngemitteleinsatzes in der
Christbaumkultur sollte auch im Sinne einer günstigen
Mykorrhiza-Entwicklung durchgeführt werden.
Empfehlung:
Einsatz von Düngemitteln basierend auf
Nährstoffuntersuchungen von Boden- und Nadelproben. Überhöhte
Stickstoffdüngung vermeiden. Organische Düngung begünstigt die
Mykorrhiza.
*****
LITERATUR:
Edelhoff A, 1991: Rahmenbedingungen für
Weihnachtsbaumkulturen Standorte, Baumarten, Herkünfte. AFZ
25/199.
Matschke J. & R. Amenda: Wissenswertes über den
qualitätsgerechten Anbau von Weihnachtsbäumen.Weber Netze, D-34281
Gudensberg.
Perny B., Th. Cech, E. Donaubauer & Ch. Tomiczek, 2000:
Krankheiten und Schädlinge in Christbaumkulturen. 2. Auflage.
Forstliche Bundesversuchsanstalt, A-1131 Wien.
Stefan K., U. Bartels & A. Fürst, 1999: UN/ECE
Manual on methods. Part IV: Sampling and Analysis of Needles and
Leaves.
Tomiczek Ch., K. Schuster, F. Gruber & J. Brandl, 1999:
Empfehlungen zum ökologischen Anbau von Christbäumen in
Österreich.
ZUSATZINFORMATIONEN
Das im Anhang (letzte Seite) vorhandene Begleitformular ist
erhältlich bei:
Burgenland:
Burgenländischer Qualitätschristbaum, Bgl.
Landwirtschaftskammer, 7000 Eisenstadt, Esterhazystr. 15, 02682/702-102, FaxDw
290. Geschäftsführer: Dipl.-Ing. Rainer Wildt
Kärnten
Dipl.-Ing. Günther Kuneth, LWK Kärnten, 9020
Klagenfurt, Museumgasse 5, 0463/5850, FaxDw 289
Niederösterreich:
ARGE
Nö. Christbaum- und Schmuckreisigproduzenten, Nö.
Landes-Landwirtschaftskammer, Forstabteilung, Wiener Straße 64, 3100 St.
Pölten, 02742/259-4101. Geschäftsführer: Dipl.-Ing. Karl
Schuster
Oberösterreich:
ARGE bäuerlicher Christbaum- und
Schmuckreisigproduzenten Oberösterreich
Geschäftsführer:
Dipl.-Ing. Johannes Wall, Bezirksbauernkammer Perg, 4320, Fadingerstr. 13,
07262/52126/84
Salzburg:
Dipl.-Ing. Alexander Zobl, LWK Salzburg,
Schwarzstr. 19, 5024 Salzburg, 0662/870571
Steiermark:
ARGE Heimischer Christbaum
frisch steirisch, LWK Steiermark
Ing. Franz Greinix, 8011
Graz, Hamerlinggasse 3, 0316/8050/268, Fax 833540
Tirol:
Förderverein der Produzenten des
Tiroler Christbaumes, LWK Tirol
Verantwortlich: Dipl.-Ing. Zwettler, 6021
Innsbruck, Brixner Straße 1, 0512/5929/277, FaxDw 275
Vorarlberg:
Vorarlberger Christbaumproduzenten, LWK Vorarlberg
Koordinator: Dipl.-Ing. Thomas Ölz, 6900 Bregenz, Montfortstr. 9-11,
05574/420 44, Fax 411 07
Von folgenden Bundesanstalten werden die in der Broschüre
genannten Analysenmethoden durchgeführt. Die Tarife sind durch Verordnung
festgelegt.
Bundesamt für Agrarbiologie, Wieningerstraße
8, A-4020 Linz
Tel.: 0732 381 261 ~240, Fax: 0732 385 482 Tel.: 0732 381
261 ~240, Fax: 0732 385 482
Spargelfeldstraße 192, A-1220 Wien,
Tel.: 01 732 16 ~4219, Fax:
01 732 16 ~2106
Forstliche Bundesversuchsanstalt, Seckendorff-Gudent-Weg
8, A-1131 Wien
Tel.: 01 87838 ~1204, Fax: 01 87838 ~1250