WIEN
8074 Hektar Urwald in Österreich
Christoph Prantner
Wien - "Das ist ja keine fixe Idee von irgendwelchen
Forstspinnern", sagt Gerfried
Koch. Es gebe internationale Verpflichtungen.
Unter anderem die Alpenkonvention
schreibe der Republik Österreich vor,
einen fein ausgemessenen, katalogisierten und
beforschten "Urwald" zu haben. Immerhin 8074
Hektar sind es derzeit genau.
"Seit 1995 gibt es das österreichische
Naturwaldreservate-Programm", erklärt
Urwaldforscher Koch. Seither habe ein vierköpfiges
Team der Wiener
Bundesforstlichen Versuchsanstalt insgesamt
172 Reservate in das Programm
aufgenommen. "In der Praxis heißt das:
Wir versuchen, für uns interessante Flächen
von Forstbesitzern auf 20 Jahre zu pachten,
und beforschen diese dann intensiv."
Den Besitzern der Areale (sie reichen von ein
bis zu 950 Hektar großen Flächen) wird
ihre Bereitschaft finanziell vergolten. Dafür
dürfen sie in der Pachtzeit keinerlei Eingriffe
mehr in ihrem Wald vornehmen. Koch: "Fällt
ein Baum um, bleibt er liegen. Kommt
eine Lawine herunter, wird der Schaden nicht
behoben." Der einzige menschliche
Eingriff sei die Jagd - aber die sei bei den
großen Wildbeständen in Mitteleuropa auch
in einem "Urwald" notwendig.
Die bisher erarbeiteten Forschungsergebnisse
geben nicht nur Aufschluss über die
Biodiversität im Naturraum Urwald, sie
bringen durchaus auch einen ökonomischen
Nutzen. So lassen sich etwa in den Naturwaldreservaten
Daten zur natürlichen
Verjüngung des Forstes sammeln, die das
Ausmaß des Managements in
Wirtschaftswäldern beeinflussen können.
Ziel des Programms ist ein über ganz Österreich
gespanntes repräsentatives Netz von
Naturwaldreservaten. Alle Waldtypen sollen
in ihrem ursprünglichen Zustand erfasst
werden. "Im Idealfall ergäbe das rund
300 Reservate", rechnet Gerfried Koch vor. Das
bedeute aber nicht, dass auch alle gesuchten
Waldtypen gefunden werden. "Au-,
Schlucht-, Edellaub- oder Eichenwälder
- das sind schon die schwierigen G'schichten."
Deswegen wird im Landwirtschaftsministerium
gegenwärtig die Zukunft des
Programms beraten. Der Ausgang ist ungewiss.
Nur eins ist laut Koch sicher:
"Urwaldforschung braucht Zeit."
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Chronik
© DER STANDARD, 16. Jänner 2001
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