| Naturwaldreservate- quo vadis? | |
| Frank Georg | |
Naturwaldreservate- quo vadis? Unter diesem Motto riefen Dr. Georg Frank und Dr. Gerfried Koch, die an der Forstlichen Bundesversuchsanstalt für das Naturwaldreservate-Projekt verantwortlich sind, Mitte Jänner 2001 Persönlichkeiten aus Forschung, Behörden und Naturschutz zu einer Expertendiskussion zusammen. Am 1. Februar 2001 berichteten sie im Rahmen der FBVA-Vortragsreihe Waldforschung aktuell dem zahlreich erschienenen Publikum, dass konzertierte Forschungsaktivitäten nach Meinung der Experten jetzt fällig seien, auch wenn das NWR-Netz noch nicht fertig eingerichtet sei.
Derzeit sind 172 Naturwaldreservate mit einer Waldfläche von 8081 ha in Österreich eingerichtet. Das sind ca. 0,1 % der österreichischen Waldfläche. Hauptaugenmerk liegt auf der repräsentativen Erfassung der potenziellen natürlichen Waldgesellschaften. Erste Naturwaldreservate wurden bereits im 19. Jahrhundert eingerichtet und wissenschaftliche Initiativen in Richtung Naturwaldreservate-Netz gibt es schon seit Jahrzehnten. An der Forstlichen Bundesversuchsanstalt wird die Errichtung eines systematischen Naturwaldreservatenetzes in Österreich in internationaler Einbindung seit 1995 betrieben. Startschuss dazu gab Minister Wilhelm Molterer nach der Ministerkonferenz zum Schutze der Wälder in Europa in Helsinki 1994. Geschichte, bisherige Arbeiten und Ergebnisse des Projekts sind im Detail auf der FBVA-Website im Internet nachzulesen: http://bfw.ac.at/100/1135.html. Eine Datenbank zur Dokumentation und Sicherung aller Daten ist im Aufbau. Nun soll ein Arbeitsteam unter der Ägide der FBVA ein detailliertes Forschungs- und Betreuungskonzept entwickeln.
Grundlagenforschung zur Erfassung der Struktur und Dynamik von Waldökosystemen und angewandte Forschung zur Weiterentwicklung eines ökologisch orientierten naturnahen Waldbaus waren schon bisher im Konzept des NWR-Projektes verankert.
Derzeit werden 7 Schwerpunktreservate untersucht. Eines davon ist die Brandfläche Potokkessel in Kärnten, wo sofort nach einem natürlichem Brandereignis 1998 interdisziplinäre Brandforschung einsetzte: Ersterhebung, Befliegung und Luftbildauswertung, Sukzessionsdynamik, Saftstrommessung an Kiefern, Verjüngungsmonitoring, Humussukkession und vegetationsökologische Untersuchungen.
Im Krimpenbachkessel in der Nähe von Wildalpen (Steiermark), begannen auf einer Sturmfläche der ÖBf-AG die Untersuchungen sofort nach dem Windwurf im Juli 2000. Nun ergeht der Ruf an Unis und andere Institute an der FBVA, fordert Gerfried Koch zu Forschungsinitiativen auf. Interessante Themen wären Standortsveränderungen, Forstschutzsituation, Veränderungen der Bodenfauna etc.
Aber auch für Zoologen gibt es reiche Einsatzfelder. Ein FBVA-Mitarbeiter des NWR-Teams, Heinz Peter, hat eine ornithologische Erhebung in 13 Reservaten durchgeführt. In diesen wenigen Reservaten konnten bereits 61 % aller in Österreich gefährdeten Waldvogelarten der roten Liste festgestellt werden.
Über die Grundsätze zukünftiger NWR-Forschung waren sich sowohl Round Table-Experten wie Vortrag und Publikumsdiskussion einig: Sie muss interdisziplinär sein, österreichweit und international vergleichbare Daten liefern, eine gute und zugängliche Dokumentation aufbauen, und die Forschungsbereiche sollen vernetzbar sein. Eine stärkere Zusammenarbeit mit Universitäten und anderen Forschungsinstitutionen ist Ruf der Stunde.